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Hei, Fans des Grusels und Grauens!

Im Nachthund werde ich von nun an regelmäßig selbstverfasste kurze (hin und wieder auch längere) Gruselgeschichten veröffentlichen. Ideal zum Lesen "zwischen zwei U-Bahn-Stationen".

Mein Name ist Corinna Annemarie und wenn ihr - wie ich - einen Hang zum Morbiden habt, schaut euch doch einmal in meinem Blog um!

Viel Spaß! 

Alter: 45
 
Universität: Wien in

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
wollte ich Schriftstellerin werden

Wenn ich mal groß bin...:
will ich Schriftstellerin werden

Ich liebe...:
Bücher und Filme und, ja, auch Serien!



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Blog

Den Tod vor Augen

Den Tod vor Augen

Seit ich den schweren Autounfall hatte – ich bin mit dem Kopf voran durch die Windschutzscheibe geschleudert worden, weil ich nicht angeschnallt war – funktioniert mein rechtes Auge nicht mehr richtig. Ich kann damit nur noch Schatten ausmachen, was an sich schon sehr gewöhnungsbedürftig ist. Doch ich würde mich glücklich schätzen, wenn dieses „Schattensehen“ mein einziges Problem wäre …

Vor einiger Zeit musste ich mit Schrecken feststellen, dass mein desolates Auge seine Sehkraft gegen eine andere, ziemlich unheimliche Fähigkeit eingetauscht hatte: Sobald ich es auf einen anderen Menschen richtete, verfiel ich in eine Art Trance, und der anvisierte Mensch starb Minuten später – meist an Atemlähmung oder Herzinfarkt, hin und wieder auch durch einen grausigen Unfall.

Wie man sich vielleicht denken kann, mussten zahlreiche Menschen ihr Leben lassen, bevor ich endlich verstand, was vor sich ging. Doch von da an verließ ich meine Wohnung nicht mehr ohne Augenklappe. Wie ein Pirat sah ich damit aus, doch ich wollte auf Nummer sicher gehen. Meine Freunde, die keine Ahnung hatten, lachten über meinen vermeintlichen Spleen. Außerdem machte ich mir keine Illusionen mehr, irgendwann doch noch die Frau fürs Leben zu finden. Dabei bin ich erst Mitte dreißig. Aber die Angst, meine Partnerin zu töten, nur weil ich  keine Kontrolle über mein verhasstes Auge hatte, war bedeutend größer, als die Enttäuschung, auf die Erfüllung in der Liebe verzichten zu müssen.

Glücklich war ich also nicht, aber zumindest glaubte ich, eine – wenn schon nicht ideale, so doch vernünftige Lösung gefunden zu haben – bis zu jenem Abend, als ich auf eine Gruppe angetrunkener junger Menschen traf. Sie beäugten mich, stießen sich gegenseitig an und deuteten lachend in meine Richtung. Anfangs dachte ich mir nichts dabei – ich kannte solche Situationen, und mittlerweile hatte ich gelernt, mich gegen verletzende Bemerkungen und Gesten zu wappnen.

Ich ging also an den jungen Leuten, eine einzige Frau war dabei, vorüber, als ob nichts wäre. Doch plötzlich stellte sich mir einer  der Burschen in den Weg und forderte mich spöttisch grinsend auf, die Augenklappe abzunehmen. Man wolle erst sehen, mit wem man es zu tun habe. Natürlich ignorierte ich die Aufforderung und beschloss, ohne ein Wort, zu verlieren einfach weiterzugehen. Ich spürte, dass mein Puls sich beschleunigte und ich hatte ein ungutes Gefühl. Zu Recht, denn die  Beleidigungen grölende Meute ließ mich nicht in Ruhe. Einer packte mich am Kragen, ein anderer – oder war es die Frau? – hielt mich an einem Ärmel fest. Ihr alkoholgetränkter Atem wehte mir unangenehm in die Nase. Ich riss mich los und schrie einem von ihnen etwas ins Gesicht, ich weiß nicht mehr genau, was. Mein Versuch, gelassen zu bleiben, war endgültig gescheitert. Die Bande lachte und grölte nur noch lauter, und schließlich sprang einer auf mich zu und riss mir das schwarze Stück Stoff aus dem Gesicht. Die anderen bildeten einen Halbkreis um mich und klatschten und johlten. Zwei von ihnen inspizierten mein Auge.

Und dann … passierte es. Ich fing an zu starren, konnte nicht mehr wegsehen, obwohl ich mich mit aller Macht bemühte. Es ging nicht. Einer von ihnen fasste sich an die Brust, die anderen … Ich kann mich nicht mehr erinnern. Nur eines weiß ich: Sie starben alle.

Wieder einmal hatte ich die Kontrolle verloren, trotz aller Schwüre, dass es nie wieder so weit kommen würde. Und endlich ist mir klar geworden, dass es nur eine einzige Lösung gibt. Einen Augenblick lang kommen mir Zweifel. Doch, nein. Es muss sein. Ich stelle mich vor den Spiegel, nehme langsam die Augenklappe ab und fange an, zu starren …

23.9.16 15:06


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Spiegelglitzerblingbling

Alles spiegelte. Überall glänzte und glitzerte es. Sauber musste es sein. Das war der Plan. Aber so ein Plan funktioniert nie. Nicht, so lange es die Menschheit gibt. Die alte Frau, die am Ende der einzigen Sackgasse der großen Stadt wohnte, hatte es bald erkannt: Spiegelglitzerblingbling konnte tatsächlich so Einiges an Unrat übertünchen. Aber mit echter Sauberkeit hatte das nichts zu tun. Und mit echter Sauberkeit nahm man es auch längst nicht mehr so genau. Glitzern musste es. Der Dreck hatte unsichtbar zu werden. Überall. Und die Menschen kauften wie die Verrückten. Spiegelglitzerblingbling in Zwanzigkilodosen.

Am Ende der einzigen Sackgasse der großen Stadt wurde es der alten Frau zu bunt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Glitzerzeug tat ihr in den Augen weh und auf dem Spiegelputzmittel war sie einmal ausgerutscht, weil ihr die riesige, unhandliche Tube aus den altersverkrümmten Händen gefallen und das Poliermittel sich auf dem Boden verteilt hatte.

Nein, die Alte brauchte das nicht und sie würde es, auch wenn sie gegen das Gesetz verstoßen musste, nicht mehr anwenden.

Und keine zwei Tage später blickte ihr eine schmutzige Fratze aus dem Spiegel entgegen und der Küchenboden war schlammbraun verfärbt, statt in schwarz-weißem Spiegellack zu erstrahlen. Haus und Garten wurden zum düsteren Fleck. Und die Menschen wurden immer hässlicher, weil die Alte auch ihre Brille nicht mehr putzte. Die sonst so fröhlich strahlenden Gesichter der Menschen froren ein zu verzerrten, grauen Monstermasken.

Die Welt wurde dreckig und ekelhaft, und die Frau war die Einzige, die den Dreck sehen, riechen und sogar spüren konnte. Und von da an beschloss sie, im Dreck zu leben. In der Wirklichkeit.

19.9.16 13:14


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